„Wenn der Bund fragt, was er vor dem Kohleausstieg für die Lausitz tun kann, hätte ich einen Vorschlag“, erklärt der sächsische Landtagsabgeordnete Thomas Baum (SPD) aus Bad Muskau. Der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion und Vorsitzender des Görlitzer Kreisverbandes der Partei hat es dabei auf die Infrastruktur in Ost sachsen und Südbrandenburg abgesehen. „Die bedarf dringend einer Verbesserung“, ist sich Baum sicher, denn sonst werde die Region „weiter abgehängt“. Der Bund sei in der Pflicht, entsprechende Rahmenbedingungen für die Ansiedelung von Industrie in der Lausitz zu schaffen. „Von alleine wird unter den gegenwärtigen Verkehrsbedingungen niemand kommen und Arbeitsplätze schaffen“, ist sich Baum sicher.

 

Sein Vorschlag fußt dabei auf zwei Säulen: Ausbau des Straßenverkehrs und Elektrifizierung der Bahnlinien Cottbus-Görlitz-Zittau sowie Görlitz-Dresden. Ein entsprechendes Gutachten der Industrie- und Handelskammer Cottbus (IHK) weist ausdrücklich auf die Vorteile der eingleisigen Elektrifizierung mit Ausweichstellen gegenüber einem zweispurigen Ausbau hin. „Straße und Schiene müssen zusammen gedacht werden“, ist sich der Diplomingenieur für Bauwesen sicher, „um nachhaltige Infrastrukturverbesserungen in der gesamten Region vorzunehmen.“

Thomas Baum will dazu eine alte Idee aus dem Süden des Landkreises Görlitz wieder aus der Schublade holen, die bereits seit den 90er-Jahren in der südlichen Oberlausitz diskutiert wurde: „Von Zittau über die A4, an Weißwasser vorbei, bis an die A15 bei Cottbus eine mehrspurige Trasse zu bauen, würde dem grenzüberschreitenden Verkehr und der gesamten Region zugutekommen“, ist sich Thomas Baum sicher.

Und der Zeitpunkt, über ein solches Projekt zu reden, sei optimal: Im Süden des Landkreises Görlitz werde gegenwärtig fieberhaft an den beiden Lückenschlüssen des Neubaus der B178n bei Zittau und an der Anbindung zur A4 bei Weißenberg geplant. „Weil dabei in der Vergangenheit Fehler gemacht wurden, zieht sich meiner Meinung nach der Lückenschluss bis zur A4 noch mindestens acht Jahre hin, der Abschnitt bei Zittau wird ganz sicher schneller fertig“, erklärt Thomas Baum. Das sei zwar sehr bedauerlich, bedeute aber gleichzeitig eine Chance für ein großes Infrastrukturprojekt, was die Lausitz von Sachsen nach Brandenburg näher zusammenbringen könnte.

Der grenzüberschreitende Verkehr von Tschechien und Polen könnte laut Baum auf deutscher Seite so leichter in Richtung Berlin aufgenommen werden. „Dabei ist es aus meiner Sicht sinnvoll, wirtschaftliche und touristische Objekte der Oberlausitz an die Trasse anzubinden“, erklärt der Verkehrsplaner. Vor allem die Große Kreisstadt Weißwasser, die UNESCO-Welterbestätten um Bad Muskau oder der Bärwalder See in Boxberg würden davon profitieren. Die jetzige Anbindung über die B 156 sei dafür nicht geeignet. Aus rein fachlicher Sicht ist der Landtagsabgeordnete davon überzeugt, dass dieses Infrastrukturprojekt B 178n eine riesen Chance für die gesamte Lausitz zwischen Cottbus und Zittau ist.

Thomas Baum kann auf eine lange Liste von Verkehrsgroßprojekten, wie beispielsweise den Bau der A 71 in Thüringen, zurückblicken, bei denen er in leitender Funktion an der Planung beteiligt war. Er weiß, dass bei Vorhaben, wie die Verlängerung der B 178n, dicke Bretter zu bohren sind. Die Strecke würde immerhin durch das Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft oder durch die Bergbaufolgelandschaft führen. „Das ist planerisch höchst anspruchsvoll“, gibt er zu. Baum weiß, dass die Idee nicht im Bundesverkehrswegeplan enthalten ist, eine Reihe von Widerständen, beispielsweise von Naturschützern, zu erwarten seien.

„Aber die Bundesregierung und auch die EU fordern perspektivisch einen Ausstieg aus der Kohle“, sagt Thomas Baum. Deshalb müsse ein Sonderpaket für die gesamte Lausitz geschnürt werden, bei dem nachhaltig Voraussetzungen geschaffen werden, der Region eine Zukunft ohne Braunkohleverstromung zu sichern.

„Mein Ziel ist, für eine mögliche Verlängerung der B 178n von Weißenberg nach Norden eine Machbarkeitsstudie auf den Weg zu bringen“, sagt Thomas Baum. Seiner Einschätzung nach könnte –

wenn es politisch gewollt ist –

in zehn bis 15 Jahren losgebaut werden. „Dann hätte man bis zu einem möglichen Kohleausstieg – für mich hoffentlich erst ab 2040 beginnend – noch ein paar Jahre Zeit, Industrie anzusiedeln.“ So gedacht wäre ein zügiger Braunkohleausstieg, der immer wieder gefordert wird, auch nicht sinnvoll. Vielmehr brauche man für einen Strukturwandel Zeit – und sehr viel Geld. Die Initiative von Baum zur Machbarkeitsstudie hatte der SPD-Kreisverband Görlitz in seinem Leitantrag im November einstimmig beschlossen.

Die Idee, die beiden Autobahnen A 4 und A 15 mit einer Schnellstraße zu verbinden, setzt die Zusammenarbeit von Sachsen und Brandenburg voraus. Wenn die Brandenburger eine solches Straßenprojekt nicht tragen wollen, so Thomas Baum weiter, ließe sich auch über eine Anbindung der verlängerten B 178n an die B 97 nachdenken. „So könnte man von Zittau aus schnell an den Industriepark Schwarze Pumpe gelangen“, erklärt der SPD-Mann. Allerdings müsse zwingend die schnellere Verkehrsanbindung an Weißwasser vorbei gewährleistet bleiben.

„Für uns wäre das Projekt dringend notwendig“, erklärt Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext). Schließlich habe die Stadt aufgrund ihrer Lage auf der einen Seite einen Tagebau und auf der anderen einen Truppenübungsplatz. Die Erreichbarkeit über Schiene und Straße sei deshalb doppelt schwer.

„Ich werde diese Idee mit in die Lausitzrunde nehmen“, versichert Pötzsch. Über dieses Gremium und in der neu zu gründenden Wirtschaftsregion Lausitz GmbH könne über die Ausgestaltung der Idee von Thomas Baum gesprochen werden. Noch im Frühjahr will Thomas Baum wiederum seine Ideen den verschiedenen Institutionen in Sachsen und Brandenburg vorstellen. Dabei hofft er auf breite Unterstützung. Bundestagsabgeordneter Thomas Jurk (SPD) aus dem Landkreis Görlitz unterstützt schon die Vision einer verlängerten B 178n, teilt er mit.

Quelle: http://www.lr-online.de/regionen/weisswasser/Die-Idee-einer-Lausitzmagistrale;art13826,5824470