Suche
Suche Menü

Auszug aus der Eröffnungsrede vor dem Europainstitut in Moskau

Quelle: https://pixabay.com/de/

„Deutschland sieht sich gerade innerhalb der EU in der Rolle als unermüdlicher Brückenbauer und Vermittler. Und da eilen wir Sachsen gern noch ein Stück voraus. Das tun wir auch im Interesse vieler sächsischer Unternehmen, für die der russische Markt immer besonders wichtig war und ist.

Trotzdem müssen wir unsere Sorgen ansprechen, und sie werden natürlich nicht überrascht sein, wenn ich damit die Situation in der Ostukraine und auf der Krim meine. In Deutschland, aber noch stärker bei unseren europäischen Nachbarn hat dies erhebliche, und wie ich finde, nachvollziehbare Ängste und Sorgen ausgelöst. Wir halten an den Vereinbarungen zum Minsker Protokoll fest.

Wir würden uns wünschen, dass es weiter geht. Und genau deswegen ist der Dialog so wichtig.

Jetzt während der Fußball-Weltmeisterschaft kommen viele Menschen nach Russland, viele Fans in bunten Farben. So bunt sind auch wir Menschen, egal aus welchem Land und egal mit welcher Hautfarbe, Religion, sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität. Die Menschen in ihrer Verschiedenheit zu akzeptieren und anzunehmen, hat sich für Gesellschaften immer als Vorteil erwiesen und zu ihrem kulturellen als auch ökonomischen Wohlstand beigetragen. Nur frei von Angst vor Diskriminierung können sich Menschen frei entfalten und vollen ihre Potentiale entwickeln. Diese Erfahrungen hat Deutschland im Zuge der Emanzipation der Frauen und auch der Homosexuellen gemacht. Hier sind wir in unserem Land nun auf einem guten Weg, einem Weg, den sich auch viele Menschen in Russland wünschen, der ihr großes Land weiter voranbringen würde. Auch dazu braucht es einen Dialog.

Ein bisschen leben wir die Idee des bewussten Dialoges ja in unserer Delegation vor. Wir sind Abgeordnete des Sächsischen Landtages aus den beiden Parlamentsfraktionen CDU und SPD, die gemeinsam die aktuelle sächsische Staatsregierung stellen. Wir sind nicht immer einer Meinung. Aber es eint uns der demokratische Wille zum bewussten Dialog – über unsere Parteigrenzen hinweg.
Und uns eint darüber hinaus noch etwas ganz Wesentliches: Die Kultur des Erinnerns, des nicht Vergessens, was im Namen Deutschlands der Hitler-Faschismus vor fast 80 Jahren an Krieg und Leid über Europa und die Welt brachte. Morgen jährt sich der feige Überfall der Hitler-Truppen auf die Sowjetunion zum 77. Mal. Meine Heimatstadt ist Bad Muskau, an der Neiße, an der heutigen Grenze zu Polen. Am 16. April 1945 begann auch bei uns die Offensive der Roten Armee zum Sturm auf Berlin. Dieses Thema war in meiner Schul- und Jugendzeit allgegenwärtig.

Im Wissen um diese gemeinsame historische Vergangenheit, auch die vielen sowjetischen Opfer – deren Gefallenen-Denkmäler bei uns überall noch stehen und gepflegt werden, ist uns absolut unverständlich, wenn Russland die deutsche Partei AfD unterstützt.

Man unterstützt damit eine Partei, deren führende Kräfte sagen, „Hitler und die Nazis“ seien „nur ein Vogelschiss in über tausend Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte gewesen“. Eine widerliche Aussage gegenüber allein in der damaligen Sowjetunion zu beklagenden 25 Millionen Toten. Diese AfD ist keine Alternative für Deutschland, sie zu unterstützen, hilft für einen Neuanfang unserer Beziehungen nicht weiter.“

Thomas Baum, MdL (SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag)
Vizepräsident des Parlamentarischen Forums Mittel- und Osteuropa

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.